Eine kurze Geschichte des industriellen Hanfs

Was ist Hanf?
Cannabis Sativa L. ist der wissenschaftliche Name der Hanfpflanze. Cannabis ist eine hohe, holzartige Pflanze, die in nahezu jedem Klima wächst. Genau wie es winzige Terrier und riesige Doggen in der Hundewelt gibt, Futtermais für Vieh und Zuckermais für die Menschen, süß- und salzig schmeckendes Süßholz, so existierten auch verschiedene Sorten von Hanf. Einige Unterarten produzieren Verbindungen, die als Heilquelle oder als psychoaktive Stoffe wirken, andere dagegen produzieren vor allem Fasern, Holz und Samen. In diesen Pflanzen kommen diese psychisch wirksamen Stoffen kaum oder gar nicht vor. Es sind die nicht psychoaktiven Arten, die angebaut werden, um als Quelle für Fasern, Holz und Saat zu wirken. Nach der Bearbeitung werden die Bestandteile der Cannabispflanze in einer Reihe industrieller Produkte verwendet.










Kurze Geschichte des industriellen Hanfs
Hanf ist eine der ältesten durch den Menschen veredelten Pflanzen. Die Geschichte von Hanf in den Niederlanden geht Tausende Jahre zurück. Der Stängel der Hanfpflanze liefert eine der stärksten natürlichen Fasern der Welt und wird zum Beispiel genutzt, um Taue, Textilien, und Papier daraus zu machen. Die Samen der Hanfpflanze beinhalten hochwertige Öle. Diese werden nicht nur für den menschlichen und tierischen Konsum genutzt, sondern auch als Lampenöl und für die Produktion von Seife und Farbe.

Das Goldene Jahrhundert
Das siebzehnte Jahrhundert wird in den Niederlanden als das „Goldene Jahrhundert“ bezeichnet und war dort auch die Blütezeit des Hanfes. Eigentlich wäre das Goldene Jahrhundert ohne den Hanf viel weniger „golden“ gewesen. Das Goldene Jahrhundert wurde vom niederländischen Handelsimperium finanziert, dessen Stütze die weltweite Schifffahrt der Holländisch-Ostindischen Handelskompagnie (VOC) darstellte, die wiederum die Kultivierung von Hanf förderte. Neben Holz war Hanf in jener Zeit die wichtigste Komponente beim Schiffbau und für eine so große Handelsflotte wie die der Niederlande waren unzählige Tonnen Hanf nötig. Für ein mittelgroßes Segelschiff benötigte man ungefähr 21 Kilometer Tau und hunderte Quadratmeter Kanevas. Dieser geflügelte und internationale Begriff ist von dem französischen Wort chanvre abgeleitet, welches Cannabis bedeutet. Hanffasern werden auch dazu benutzt, die Schiffsrümpfe zu kalfatern, d.h. wasserdicht zu machen.

Hanfverarbeitung in der alten Zeit
Früher wurden die Hanfstängel geerntet und dann für kurze Zeit in Gräben oder Teiche, die an die Acker grenzten, gelegt. Hier begann der Abbauprozess der auch „rotten“ genannt wird. Bakterien bauten die Verbindungen zwischen den Bastfasern ab, so dass sie sich voneinander trennten. Danach wurden die Stängel getrocknet und kamen in den so genannten „Brecher“, um die Bastfasern von dem inneren Holzkern zu lösen. Nach dem Brechen schlug man mit einem flachen Stück Holz auf die Faserbündel, um die letzten Holzkernstücke zu entfernen. Die Fasern wurden dann über eiserne Bürsten in unterschiedlichen Größen gezogen, die so genannten Hechel. Die gehechelten Fasern wurden dann zu einem Tau geschlagen und geflochten oder zu feinem Garn gesponnen. Bäuerinnen und Weber verarbeiteten diese Hanfgarne zu Textilien.